Schwarz-Weiss & Infrarot

 


 

 

Schwarz-Weiss-Bilder

 

"Die Fotografie ist die Grundschule des Sehens,

 

die Verdichtung komplexer Wahrnehmung von Personen, Objekten, Landschaften usw. auf den Augenblick, der durch die Belichtung festgehalten wird.  

Die zweihundertfünzigstel Sekunde, in der die Zeit stehen zu bleiben scheint, ist die Manifestation von Raum und Zeit, entwickelt auf Papier.

Statt reines Abbild der Realität zu sein, eröffnet die Fotografie einen neuen Wahrnehmungskontext. "Unsichtbares", nicht Wahrgenommenes, wird sichtbar.  

Fotografieren bedeutet teilnehmen an der Sterblichkeit, Verletzlichkeit und Wandelbarkeit anderer Menschen (oder Dinge).

Eben dadurch, dass sie diesen einen Moment herausgreifen und erstarren lassen, bezeugen alle Fotografien das unerbittliche Fließen der Zeit."

                                                                                                                                           Zitat :  Susan Sontag

 

 

 

 

 

 

 Infrarotbilder

- Fotografie auf anderer Wellenlänge -


Mit speziellen IR-Schwarz-Filtern kann man das sichtbare Licht weitestgehend zurückhalten und nur das für uns nicht sichtbare infrarote Licht zum Film bzw. Bildsensor lassen. Dadurch entstehen wundervolle Bilder mit ganz eigener Ausstrahlung.

Bei Landschaftsaufnahmen wird der blaue Himmel ziemlich dunkel, fast schwarz wiedergegeben, wodurch Wolken dramatisch zur Geltung kommen.

Da das Blattgrün infrarotes Licht mehr reflektiert, wird es im Infrarotbild heller wiedergegeben. Dadurch wirken die Bilder als wären sie bei Rauhreif aufgenommen, die Bäume, Blattwerk und alles lebende Grün wirken wie aus Zuckerguss.





 

Fotografie und Begehren 

Bilder nehmen wir für das, was auf ihnen dargestellt ist, wissen aber zugleich, dass es sich nur um Lichtprojektionen handelt, keineswegs um die Realität, die Sache selbst.


Darin unterscheiden wir uns von den Gefangenen, die Plato in seinem Höhlengleichnis schildert und die, weiterer Unterschied, ihr Leben in der Höhle gefesselt zubringen und insofern nichts anderes kennen, für Realität halten, was nur Illusion ist.

Während Plato so die Bedingungen für einen möglichst vollkommenen, aber imaginären Realitätseindruck in bewegten Bildern skizziert, begnügen wir uns als Fotografen mit stehenden Bildern.


Bilder müssen eben nicht unbedingt und unter allen Umständen Geschichten erzählen, sondern es gibt viele andere Gründe, Bilder zu machen.

Zum Beispiel sollten sie Interesse und Begehren wecken -  und einladen, sich mit ihnen zu beschäftigen.

                                                                                                                                                                      Die bloße Existenz von Platos Gleichnis, vor zweieinhalbtausend Jahren verfasst, legt nun die Vermutung nahe, dass das Kino immer schon - zumindest als Wunsch-(T)Raum - existiert hat, als Ort der partiellen Rückkehr zur Erfahrung von Visionen und Träumen.


Mag es zunächst das Ziel eines Wunsches gewesen sein, eine Form von verloren gegangener Befriedigung zu sein? In diesem Fall erleben wir also keine banale Reproduktion äußerer Realität, sondern erfahren - analog zum Traum - eine unmittelbare Wunschbefriedigung durch die Simulation von Wahrnehmung, nicht durch diese selbst.

 

Der Simulationsapparat besteht also darin, eine Wahrnehmung in eine Quasi-Halluzination zu verwandeln, die mit einer Wirkung des Realen versehen ist, welche sich nicht mit der von der einfachen Wahrnehmung dargebotenen vergleichen lässt.


Sicherlich liegen bei der Rezeption von Einzelbilder andere Bedingungen vor, aber es bleibt auch hier bei der "Wirkung des Realen", dem "Realitätseindruck" im Unterschied zur direkten Wahrnehmung. Insofern steht in der Fotografie immer die Möglichkeit einer Quasi-Halluzination, einer Wunscherfüllung per Imagination offen.

 

Jedes Foto ist potenziell eine Wunschmaschine und vermag ein Begehren zu befriedigen.